Tod in Zeitlupe, Teil 2 von 3 einer Sonderreihe zur Church of Scientology
Von Joe Childs und Thomas C. Tobin, Times Staff Writers
22. Juni 2009
Am Abend nachdem Lisa McPherson starb schickte der Anführer der Church of Scientology einen seiner höchsten Untergebenen zum Warten an ein öffentliches Telefon im Holiday Inn Surfside am Strand von Clearwater.
Als das Telefon in der Lobby klingelte und Marty Rathbun dranging, legte David Miscavige los:
Warum stürzt Du Dich nicht auf diesen Mist? Die Polizei stochert rum. Mach was.
"Ja Sir", antwortete Rathbun.
McPherson, ein 36-jähriges Mitglied in scheinbar guter Verfassung, hatte 17 Tage in einem bewachten Zimmer im Fort Harrison Hotel der Church verbracht. Staff-Mitglieder von Scientology versuchten sie nach einem Nervenzusammenbruch gesund zu pflegen, doch sie wurde krank. Ihre letzten Atemzüge geschahen auf dem Rücksitz eines Lieferwagens als sie sie in ein Krankenhaus im nächsten County fuhren.
Ihr Tod am 5. Dezember 1995 löste neun Jahre von Untersuchungen, Klagen und weltweiter Berichterstattung aus. Im Internet ist er noch immer präsent und beschädigt Scientologys Reputation.
Jetzt gibt es zum ersten Mal den Bericht von einem Insider aus den höheren Rängen von Scientology - von demjenigen, der die Handhabung des Falls durch die Church geleitet hat.
Rathbun, der im Jahr 2004 aus dem Staff von Scientology ausgestiegen ist, gibt zu, dass er während Strafverfolger und Anwälte für die Familie McPherson Vorladungen vorbereiteten, die Vernichtung belastenden Beweismaterials über ihre Pflege im Fort Harrison anordnete.
Er und andere, die die Church verlassen haben enthüllen zum ersten Mal, dass Miscavige an der scientologischen Beratung von McPherson beteiligt war. Nur Wochen vor ihrem Nervenzusammenbruch war es der Anführer selbst gewesen, der entschieden hatte, dass sie einen höheren geistigen Zustand erreicht hatte, den Scientologen als "clear" bezeichnen.
Jahrelang hatte Rathbun darauf bestanden, dass die Church nichts falsch gemacht habe. Jetzt sagt er, dass die Pflege von McPherson von Anfang an ein Debakel war. Es sei "alles, was an Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit möglich ist" innerhalb der Church zusammengekommen, sagte er. "Das konnte man nicht rechtfertigen."
Er enthüllte, dass die Church bereit war, fast jeden Preis zu zahlen, damit der Fall verschwinden würde. Er sagte, er habe einen Boten zum Begräbnis McPhersons nach Dallas geschickt mit der Genehmigung, ihrer Mutter Fannie zu geben, was immer sie wollte. Der Versuch wurde zurückgewiesen, weil die Familie der Church nicht vertraute.
"Ob es ums finanzielle oder um sonst etwas ging, wir kümmern uns um diese Frau, weil es in unserer Verantwortung geschah. Falls sie 5 Millionen Dollar brauchte, wären wir mit 5 Millionen Dollar angekommen."
Vertreter der Church sagen, dass Rathbun ein verbittertes Ex-Mitglied sei, der seine Bedeutung in Scientology übertreiben würde und dessen Motive suspekt seien. Sie sagen, Miscavige habe Rathbun im Jahr 2003 herabgestuft, teilweise für Fehler, die er im Fall Lisa McPherson begangen habe.
Eine Vereinbarung über eine aussergerichtliche Einigung mit der Familie der Frau verbiete es ihr, Details zu nennen, sagte Monique Yingling, eine langjährige Anwältin für Scientology und eine Freundin von Miscavige. Nichtsdestotrotz, so Yingling, habe Rathbun den Fall von Anfang an vermasselt und "möglicherweise die ganze Sache verursacht."
Ein kleiner Unfall mit Blechschaden
McPherson trat Scientology mit 18 in Dallas bei, ihrer Heimatstadt. Sie arbeitete für eine Werbefirma, die scientologischen Freunden gehörte; die Firma zog nach Clearwater um, um dem spirituellen Hauptquartier der Church näher zu sein und McPherson kam auch mit.
Kurz vor 18 Uhr am 18. November 1995 fuhr ihr Jeep Cherokee in einen Boot-Anhänger, der im Rahmen des Autoverkehrs auf der S Fort Harrison Avenue stand.
McPherson lief extrem aufgebracht zu dem Fahrer des Fahrzeugs mit dem Anhänger, legte ihm die Hände auf die Schultern und fragte ihn "Wo sind die Leute? Wo sind die Leute?"
Feuerwehrleute wiesen sie an, ihr Auto an den Straßenrand des Belleview Boulevard zu fahren. Sie unterzeichnete eine Erklärung, dass sie keine ärztliche Hilfe wünsche. Als Beamte und Ärzte sich anderen Pflichten zuwandten, sahen sie, dass McPherson sich ausgezogen hatte und Belleview entlang lief.
Sie brachten sie ins Morton Plant Krankenhaus, wo Ärzte darüber diskutierten, sie für eine psychiatrische Einschätzung, gemäß dem Baker Act in Florida, einzuweisen.
Aber Scientology sieht die Psychiatrie und psychiatrische Medikation als böse an. Die Church glaubt daran, weniger zudringliche und menschenfreundlichere Behandlungsmethoden für Probleme mit dem menschlichen Verstand anbieten zu können.
Ungefähr 10 Mitglieder der Church tauchten im Krankenhaus auf, bestanden darauf, dass McPherson keinen psychiatrischen Methoden ausgesetzt würde und sagten, dass sie sich um sie kümmern würde. Sie sagte, dass sie mit ihren Freunden gehen wolle und meldete sich entgegen ärztlichen Ratschlag ab.
Staff-Mitglieder der Church brachten sie ins Fort Harrison und wiesen ihr Raum 174 der Cabanas zu, eine Reihe weniger förmlich eingerichteter Zimmer, die zur Straße hinter dem Hotel ausgerichtet waren. Vier Mitglider der medizinischen Abteilung der Church wurde der Auftrag erteilt, auf McPherson aufzupassen. Staff-Mitglieder aus diversen Abteilungen wurden hinzugezogen - einschließlich eines [für die Church arbeitenden Polizisten], eines Aktenverwalters, eines Sekretärs, eines Personaldirektors, Sicherheitswachen und zweier Bibliothekare.
Überwacht wurde das von Janis Johnson, einer nicht in Florida lizensierten Ärztin, die ein Mediical Officer der Church war.
Sie versuchten mehr als zwei Wochen lang, McPherson zu beruhigen, ihr zu essen zu geben und ihr Medizin zu geben. Ein nicht in Florida lizensierter Staff-Zahnarzt mischte Aspirin, Benadryl und Orangensaft in einer Spritze und Spritze es ihr die Kehle hinunter.
Die Staff-Mitglieder führten Logbücher pber das, was sie taten. Ein Staff-Mitglied versuchte, um McPherson zu beruhigen, ihr drei Baldrian-Wurzel Kapseln einzuflößen, doch McPherson spie sie aus. "Meine Idee, ihr die Nase zuzuhalten, so dass sie sie schlucken muss, um wieder atmen zu können, war nur sehr begrenzt von Erfolg gekrönt" schrieb das Staff-Mitglied.
McPherson schlug ihre Betreuer und schrie sie an. Sie brabbelte vor sich hin, sie erbrach ihr Essen auf den Boden. Sie zerstörte die Deckenlampe und zerbrach Glas im Badezimmer. Sie sprang vom Bett, fiel zu Boden, lief im Zimmer umher.
Sie betrachtete eine Glühbirne und sagte dabei "Man muss dem Licht folgen, denn Licht heisst Leben."
"Sie war wie ein Eiswürfel" schrieb ein Betreuer. "Sie weigerte sich zu essen und spuckte alles aus, was sie in den Mund nahm. Ihr Atem stank ... reagierte allergisch auf meine Berührungen."
Am Abend des 5. Dezember hatte McPherson mehr als 6 Kilo verloren. Johnson, die Ärztin der Church, rief David Minkoff an, Scientologe und Arzt im New Port Richey Krankenhaus in Columbia. Minkoff sagte, McPherson solle ins Morton Plant Krankenhaus die Straße runter gebracht werden.
Doch Alain Kartuzinski, ein Beratunssupervisor der Church sagte Minkoff, dass er fürchte, dass McPherson im Morton Plant Krankenhaus psychiatrischer Behandlung ausgesetzt werden könne und Johnson versicherte Minkoff, dass McPhersons Zustand nicht lebensbedrohlich sei.
Was sie Minkoff gegenüber verschwiegen: McPherson war schlaff und nicht in der Lage, zu gehen. Sie hatte Schwierigkeiten mit dem Atmen, ihre Augen waren starr und sie blinzelte nicht. Ihr Gesicht war hager, ein Zeichen schwerer Austrocknung.
Minkoff stimmte zu, sie sich anzusehen. Mit McPherson auf dem Rücksitz fuhren ihre Betreuer McPherson 45 Minuten ins Pasco Krankenhaus und fuhren dabie an vier Krankenhäusern vorbei.
Sie rollten sie, auf einem Rollstuhl liegend, in die Notaufnahme. Sie hatte keinen Puls, keinen Herzschlag und atmete nicht. Minkoff erklärte McPherson für tot.
Er nahm Johnson beiseite und schrie sie an.
"Ich war über alle Maßen erschüttert" sagte er später. "Ich war wirklich nicht darauf eingestellt, herauszufinden was passiert war. Ich war eher in einem Zustand der Art 'Wie konntet ihr mir diese Person so hierhin bringen?' "
Die Rolle Miscaviges
In Scientology findet eine einmalige Art von Beratung statt, genannt Auditing. In einem stillen Zimmer fragt ein "Auditor" ein Mitglied festgelegte Fragen, während er ein Gerät namens Elektropsychometer, auch E-Meter genannt, betrachtet. Scientologen sagen, es gibt eine "Ladung", die mit jedem Spannungsbereich im Leben eines Menschen verbunden ist, wie beispielsweise eine Ehekrise oder ein Unfall in der Kindheit.
Stößt man auf solche Themen, dann bewegt sich die Nadel des E-Meters. Die Handlung des Auffindens der problematischen Episode löst die "Ladung" auf und die Nadel schwebt hin und her. Der Person soll es nun besser gehen.
Ein Ziel liegt daran, "clear" zu erreichen, das ist ein Zustand in dem die negativen Bilder im Verstand verschwunden sind und es heisst, dass die Person dann keine Ängste, Sorgen und irrationalen Gedanken mehr hat.
John Travolta, Kirstie Alley und Tom Cruise gehören zu den Prominenten, die die Vorzüge von Scientology sehr gelobt haben. Mitglieder aus aller Welt reisen nach Clearwater um von den Besten auditiert zu werden. Sientologen kommen wegen der luxuriösen Betreuung und den überragenden "Klasse 12" Auditoren, deren Dienste, so Rathbun, 1000 Dollar die Stunde kosten.
Doch im Jahr 1995, sagt Rathbun, dachte selbst die Church, dass die meisten ihrer Klasse 12 Auditoren nicht ihr Geld wert waren. Sie waren ausgebrannt, ihre Sitzungen immer gleich und eintönig wie bei einem Arzt, [der einfach seine Routine durchzieht].
"Diese Typen sind alle übergewichtig, sie sind fettleibig, sie haben Rückenprobleme. Sie schlafen nicht ausreichend", sagte er. "Und mir wurde klar, eines der Probleme liegt daran, dass sie 15, 20 Jahre lang als Geldquelle zum Ausnehmen dienen."
Er sagte, sie würden "einfach ohne Unterlass ausgenommen."
Rathbun und andere sagen, dass Miscavige 1995 in Clearwater war, um "The Golden Age od Tech" ["Das goldene Zeitalter der Tech"] ins Leben zu rufen, eine Initiative, die darauf abzielte die Qualität und Präzision des Auditing in Scientologys Mekka anzuheben.
Rathbun sagte, er sei angewiesen worden, dabei zu helfen. Miscavige habe sich von einem Kontrollraum aus die Auditingsitzungen der Mitglieder angesehen mit Fernsehbildern aus verschiedenen Beratungszimmern.
Eines der Mitglieder war Lisa McPherson.
"Er betrachtet jede ihrer Sitzungen mit den Kameras, (überwacht sie und) sagt 'Mach als nächstes dies, mach als nächstes jenes' und so weiter, sagt Tom De Vocht, ein hochrangiges leitendes Mitglied der Church, der seither die Church verlassen hat und sich jetzt zum ersten mal äussert.
Der Ordner, der Aufzeichnungen über Lisa McPhersons Auditing-Gesichte enthielt ging ein und aus in Miscaviges Büro, sagt De Vocht, dessen Büro direkt benachbart war und der einer Renovierung der Wohnräume des Anführers vorstand.
Don Jason, damals ein hochrangiger Offizier im spirituellen Hauptquartier in Clearwater, sagte, er habe gesehen, wie Miscavige seine Kopfhörer abgesetzt habe und gesagt habe, dass McPherson den Clear-Zustand in einer vorrigen Sitzung erreicht habe. Jason, 45 Jahre alt, sagt, er sah wie der Anführer eine Notiz verfasste, den McPhersons Auditor ihr vorlesen würde, um sie über ihren neuen Status zu informieren.
Scinetologen, die "clear" sind, werden nicht psychotisch, so Jason, daher war es ein "großes Problem", dass jemand so kurz danach einen Zusammenbruch hatte.
Vertreter der Church sagen, dass De Vocht und Jason falsch liege. "Ich kann Ihnen sagen, dass das komplett und total falsch ist", sagte Angie Blankenship, die führend in der Verwaltung in Clearwater zwischen 1996 und 2003 tätig war.
"Ich war hier. Der Vorstandsvorsitzende (Miscavige) war zu dieser Zeit nichtmal hier in der Flag Landbase. Er ist ein Lügner. Das ist nie passiert."
Yingling und der Sprecher der Church Tommy Davis sagten ebenfalls, dass Miscavige zu der Zeit nicht in Clearwater gewesen sei und sie sagen, sie haben Gesprächsnotizen eines Treffens in Kalifornien, um das beweisen zu können. Die stellen ausserdem die Frage, wie De Vocht und Jason, fast 14 Jahre später irgendeine Erinnerung an eine Frau haben können, die damals einfach ein Mitglied unter vielen war.
Jason sagte, dass der Moment besonders hervorstand, weil Staff-Mitglieder besonderes Training brauchen und Auffrischungstraining, um in der Lage zu sein, festzustellen, wann jemand clear wird. "Also dachte ich mir 'Wow'?" bezogen darauf, dass Miscavige über die entsprechende Expertise verfügte.
Nicht allein das, "Ich stand direkt neben ihm als das passierte", so Jason, der 1996 die Church verlassen hat, aber Scientology immer noch für wertvoll hält.
"Das ist eine große Sache" sagte De Vocht über Miscaviges Beteiligung. "Daran kann man sich nicht nicht erinnern."
De Vocht sagt, er habe zu der Zeit eng mit Miscavige zusammengearbeitet. Er sagte, der Anführer habe sich besonders auf McPherson konzentriert, da sie Probleme mit ihrer Beratung hatte und mit einem bekannten Mitglied der Church befreundet war.
Er sagte, er habe gesehen, wie Miscavige McPhersons Auditing-Sitzungen per Video verfolgt habe und Anmerkungen in ihre Beratungsakte schrieb.
"Ich habe ihn persönlich gesehen", so De Vocht. "Ein ganzer Haufen Leute hat ihn persönlich gesehen."
Die Verteter der Church sagen, es gäbe keine Anmerkungen von Miscavige in McPhersons Akte. Auf jeden Fall, so sagen sie, wäre Miscavige dafür qualifiziert gewesen McPhersons Fall zu überwachen, wenn er das gewollt hätte. "Er ist ein Experte in jedem Bereich" so Jessica Feshbach, eine Sprecherin der Church.
Rathbun erinnert sich daran, duirch einen Gang bei den Auditing-Zimmern im Fort Harrison zu gehen und and an eine Frau, die aus einer Tür stürmte.
"Sie rief 'Jaaaaa! Juchu!' Sie schrie so laut sie nur konnte" sagte er.
Es war McPherson, die über die Neuigkeit jubelte, dass sie als clear eingestuft worden war.
Ihre Leistung wurde in einer Zeremonie im Fort Harrison im September 1995 gefeiert.
Mitte November war sie wieder im Hotel und brabbelte vor ihren Betreuern.
Der Introspection Rundown
Als Rathbun von McPhersons Tod erfuhr befragte er die 15 bis 20 Scientologen, die sich um sie gekümmert hatten.
"Es war, als ob man ein Katastrophengebiet betritt", sagte er. "Sie sahen völlig fertig aus. Sie litten Schlafmangel. Manche von ihnen hatten Schrammen und Kratzer, weil Lisa sie geschlagen hatte. Alle waren emotional extrem aus der Fassung, weil jeder von ihnen sich Vorwürfe machte, dass sie etwas falsch gemacht hätten."
Laut Rathbun waren diese Gefühle berechtigt. "Die ganze Sache war falsch gewesen. Ich kann gar nicht erklären, was für ein technologisches Verbrechen das darstellte" bezogen auf scientologische Methoden.
Die Betreuer hatten Lisa McPherson einem "Introspection Rundown" unterzogen, einer Prozedur, die von Scientologys Gründer L. Ron Hubbard stammt. Das Ziel besteht darin, eine psychotische Person hinreichend zu isolieren und zu beruhigen, so dass sie auditiert werden kann. Sie muss in einer stillen Umgebung gehalten werden mit niemandem in ihrer Umgebung, der mentale Bilder, die sie aufregen könnten, "re-stimulieren" könnte.
Doch es kamen und gingen Staff-Mitglieder in das Zimmer und wieder hinaus, ebenso wie Wachen, die Walkie-Talkies benutzten, so Rathbun. Ein Staff-Mitglied weinte in einer Ecke. Andere drückten McPherson nach unten, während sie versuchten, ihr Medizin und Essen zu verabreichen.
Anstatt sich zu beruhigen wurde McPherson aufgeregt und selbst-zerstörerisch während ihres 17-tägigen Aufenthalts.
Rathbun sagte, er habe an mehreren Introspection Rundowns teilgenommen und keiner von ihnen habe länger als einen oder zwei Tage gedauert.
Er sagte, dass es auf ihn ganz klar so wirkte, dass McPherson das Opfer von "out tech" wurde, einem Begriff für Fehlanwendung von Scientology.
Rathbun hatte noch ein Problem: Kartuzinski, der Auditing-Supervisor und Johnson, der Medical Officer, hatten die Polizei von Clearwater belogen. Sie sagten, dass McPherson keinen Introspection Rundown erhalten habe und sie sagten, an ihrem Aufenthalt sei nichts ungewöhnliches gewesen.
"Dieses Blatt habe ich also bekommen", so Rathbun. "Ich habe zwei falsche beschworene Aussagen gegenüber Gesetzeshütern" zusätzlich dazu, wie schlecht Scientologen McPherson behandelt hatten.
Die Faktenlage war solche ein "Schlamassel", sagte er, dass sein erster Instinkt darin bestanden habe, etwas sehr untypisches zu tun.
"Ich wünschte mir wirklich und aufrichtig, dass ich in einer Lage gewesen wäre, in der ich einfach dem hätte folgen können, was mein Herz mir sagte" sagte er. "Denn dann wäre ich im Dezember 1995 direkt ins Büro des Bezirksstaatsanwalts gegangen und hätte gesagt 'Mein Gott. Es hat einen schrecklichen Unfall gegeben ... Wir wollen Verantwortung übernehmen.' "
Aber so stand es nicht im Regelbuch geschrieben. Die nahezu zwei Jahrzehnte, in denen er in der Scientology-Kultur zuhause war, hatten ihn gelehrt: Wenn man belagert ist, Reihen schließen, niemals Fehler eingestehen.
Er sagte, er habe einen internen Bericht verfasst, der zu dem Schluss kam, dass gegen Church-Prozeduren verstoßen worden war, dass die Fehler allerdings nicht zu McPhersons Tod beigetragen hätten.
Er legte den Bericht in einen Dokumentenumschlag und versiegelte ihn auf die Weise, wie er es 20 Jahre zuvor als Neuling gelernt hatte, der mit Hubbards Korrespondenz umging. Die Nähte mit einem Rasiermesser aufschneiden, dann mit Klebeband abdecken und dann das Klebeband zum Schmelzen bringen, so dass niemand den Umschlag öffnen kann, ohne ihn zu zerreissen. Dann ging der Umschlag an die kalifornische Basis der Church.
Ein Jahr lang erschien nichts über McPhersons Tod in der Presse.
Doch Mitte Dezember 1996 gerieten Reporter in Besitz von Einzelheiten der Untersuchung der Polizei von Clearwater. Ein Autopsiebericht der Gerichtsmedizinerin von Pinellas-Pasco Joan Wood kam zu dem Schluss, dass McPherson an einem Blutklumpen in ihrer linken Lunge gestorben war, verursacht durch "Bettruhe und schwere Austrocknung."
Rathbun koordinierte die öffentliche Antwort, die, wie er jetzt zugibt, mit Lügen begann. Sprecher der Chucrh sagten, McPherson sei im Fort Harrison gewesen, um sich auszuruhen. Sie sagten, sie habe nach Belieben Kommen und Gehen können. Sie stritten ab, dass sie einen Introspection Rundown erhalten habe.
McPherson sei "plötzlich krank geworden" und an den Entscheidungen über ihre Pflege beteiligt gewesen, sagten Vertreter der Church. Ihr Tod war ein unglücklicher Unfall, ohne Zusammenhang mit irgendeiner Handlung von Seiten Scientologys.
Wood meldete sich zu Wort und sagte, dass ihre Autopsieergebnisse den Aussagen der Church widersprachen. Die erfahrene Gerichtsmedizinerin sagte, an McPhersons Tod sei nichts plötzliches oder unfallartiges. Ihre Gesundheit habe sich schrittweise im Laufe von 10 Tagen verschlechtert und sie sei gegen Ende vermutlich bewusstlos gewesen.
Die Church verklagte Wood, um Zugriff auf ihre Unterlagen zu erhalten. Ein Anwalt für Scientolgy nannte sie: "Lügnerin. Lügnerin. Lügnerin. Lügnerin. Lügnerin. Hasserfüllte Lügnerin."
McPhersons Familie verklagte die Church aufgrund Tod durch Fremdverschulden.
Und das Büro des Staatsanwaltes von Pinellas-Pasco stellte Untersuchungen an, ob strafrechtliche Vorwürfe erhoben werden sollten.
Vernichtung von Beweismaterial
Anfang 1997, als die Untersuchung sich näherte, traf sich Rathbun mit Staff-Mitgliedern der Church in den Scientology-Büros in Hollywood, Kalifornien. Sie gingen die täglichen Logbücher durch, die McPhersons Btereuer während ihrer 17 Tage im Fort Harrison erstellt hatten.
Insbesondere drei Einträge machten Rathbun Sorgen.
Eine enthielt eine bizarre sexuelle Anspielung, die McPherson gemacht hatte. Eine andere enthüllte, dass niemand daran gedacht hatte, den Spiegel aus dem Zimmer einer psychotischen Frau zu entfernen, die sich selbst verletzen wollte. Die dritte war die Meinung eines Betreuers, dass die Situation ausser Kontrolle geraten sei und McPherson zu einem Arzt müsse.
Rathbun kam zu dem Schluss, dass die Notizen verschwinden mussten.
"Ich sagte 'Verliert sie' und verließ den Raum", erinnerte er sich und fügt hinzu, dass die Entscheidung, die Aufzeichnungen zu zerstören seine eigene war.
"Niemand hat mir gesagt es zu tun und ich habe es getan", sagte er. "Die Wahrheit ist die Wahrheit und jetzt gerade gehe ich beichten und ich bin wirklich der Meinung, dass das etwas ist, was der Church mehr geschadet hat, als den Leuten, die Entschädigung wollten."
"Aber es ist, wie es ist und ich weiß, dass das womöglich ein Verbrechen sein könnte."
In einem nicht lange zurückliegenden Interview sagte der Bundesstaats-Staatsanwalt Bernie McCabe, dass klar sei, dass die Aufzeichnungen fehlten, da die Church Berichte für jeden Tag von McPhersons Aufenthalt übergeben habe ausser den letzten beiden Tagen vor ihrem Tod. Dass die Kirche etwas zu verbergen schien habe nur McCabes Gefühl verstärkt, dass da etwas fehlte.
Strafverfolgung gegen Rathbun einzuleiten sei keine Option, da die Verjährungsdauer für Vernichtung von Beweismitteln drei Jahre beträgt, so McCabe. "Wir sind fertig."
Der Druck nimmt zu
Am 13. November 1998 leitete McCabes Büro Strafverfolgung gegen die Einrichtung der Church in Clearwater für zwei Kapitalverbrechen ein: Kriminelle Vernachlässigung und das Praktizieren von Medizin ohne Lizenz.
Die Church hatte nun Gerichtsverfahren und peinliche Aussagen sowohl im zivilrechtlichen als auch im strafrechtlichen Bereich in Aussicht.
Miscavige delegierte den Umgang mit Anwälten und Reportern and Rathbun und Scientologys Hauptsprecher Mike Rinder. Doch der Anführer der Church blieb in Kontrolle und arbeitete daran, Scientologys Position im Hintergrund zu formen.
Rathbun enthüllte, dass Miscavige oft bei ihm oder Rinder stand, wenn sie Telefongespräche führten, Anweisungen gab, was sie zu sagen hatten und wild gestikulierte, wenn er glaubt, dass sie es falsch machten.
Eine Schlüsselfrage in der Klage der McPherson-Familie wegen Tod durch Fremdverschulden war, ob Miscavige als ein Beschuldigter hinzugefügt werden konnte. Anwälte der Church argumentierten, dann er nicht in der Klageschrift genannt werden sollte, weil er sich nur mit geistlichen Angelegenheiten befasse. Die Familie konterte damit, dass Miscavige "alles in Scientology völlig kontrolliert und bis in die Einzelheiten managt."
Im Dezember 1999 entschied ein Richter in Tampa, dass Miscavige als Angeklagter hinzugefügt werden dürfe.
Für den Anführer der Church war das laut Rathbun ein "großer Knackpunkt".
"Es war wie die ultimative Explosion, dass er jetzt möglicherweise vernommen werden würde und dass sein Name mit dem Gerichtsverfahren verbunden sein könnte. Danach wurde er mehr und mehr feindselig, gewalttätig und irrational."
William C. Walsh ein Washingtoner Menschenrechtsanwalt, der Scientology seit Jahren vertritt nennt diese Darstellung weit hergeholt.
"Ich kenne eine Sache und das ist David Miscavige und ich habe ihn seit Dezember 1999 und lange vorher gekannt" sagte Walsh. "Und ich habe niemals einen Persönlichkeitswechsel bei ihm erlebt, wenn er Angeklagter in einem Fall wurde. Er wurde nicht feindseliger. Er wurde nicht gewalttätiger. Und er war nie irrational."
Yingling sagte: "Er war nicht glücklich, angeklagt zu werden. Das stimmt. Aber er nahm es mit wie mit allem in dem Fall auf, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten."
Rinder und Rathbun erinnern sich an einen Nachmittag im dritten Stock eines Bürogebäudes mit Blick auf die N Fort Harrison Straße als sie sahen, wie Miscavige Rinder angriff. Sie sagen, der Anführer habe Rinder Obszönitäten an den Kopf geworfen, ihn dann ergriffen und während er ihm im Schwitzkasten hatte, seinen Nacken verdreht und ihn dann zu Boden geworfen.
Von den dutzenden Angriffen, die Rinder nach eigener Auskunft erleiden musste, war das die schmerzhafteste.
"Ich erinnere mich, dass mein Nacken nicht richtig saß und dass ich für vielleicht 30 Minuten nicht richtig sprechen konnte, weil mein Kehlkopf an die Rückseite meiner Kehle geschlagen war.
Während er im Schwitzkasten war, so Rinder, seien seine Gedanken einem vertrauten Muster gefolgt: Was habe ich getan, um das zu verursachen?
Wenn Miscavige Einen runter macht oder schlimmer Einen körperlich bestraft "kommt man dahin, dass man versucht, herauszufinden, was man ihm getan hat", sagte Rinder. "Und so ist das mit dem Verprügeln. Was habe ich getan, um das zu verursachen?"
Hervorragende Vorbereitung. Angriff, erneuter Angriff
Mit dem Kampf gegen das IRS um die Wiederherstellung der Steuerbefreiung im Hinterkopf, war die Church nicht damit überlastet, sich gegen das Strafverfahren im Fall McPherson zur Wehr zu setzen.
Scientology gab Millionen von Dollar aus und Anwälte der Church reichten tausende von Seiten mit medizinischen Studien und Berichten von Beratern ein, in denen es hieß, dass die Pflege von McPherson im Fort Harrison nicht ihren Tod verursacht haben könnte.
Der Fall fiel in sich zusammen anchdem Wood, die Gerichtsmedizinerin überraschenderweise ihre offizielle Einschätzung der Todesursache McPhersons änderte. War diese vorher als "unbestimmt" angegeben, so änderte sie es im Februar 2000 zu "Unfall".
Vier Monate später ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage fallen, mit Verweis auf Woods widersprüchliche und verwirrte Interpretation der Beweislage.
Verschwörungstheoretiker meinten, dass die Church irgendwie Wood "erwischt" habe.
Rathbun streitet das ab. Er sagt, die Gerichtsmedizinerin habe ihre Schlussfolgerung angesichts der Mengen an wissenschaftlichem Material von Experten der Church geändert.
"Sie wurde nicht erpresst", sagte Rathbun. "Es war nichts geheimdienstliches. Es ging nur um Beweise. Ich schwöre bei Gott."
Wood, zuhause erreicht, lehnte es ab, sich dazu zu äussern.
McCabe sagte, es sei sein Eindruck gewesen, dass die Beweise und die Aussagen der Experten Wood umgestimmt hätten. "Eine Sache, die man schnell bemerkt, wenn man mit (Scientologen) zu tun hat, ist dass sie sehr hartnäckig sind", sagte er. "Und bei ihr waren sie hartnäckig."
Im Mai 2004, vier Jahre nach dem Fallenlassen der Anklage einigte sich die Church aussergerichtlich mit McPhersons Familie, was das Ende der Klage bedeutete. Der Inhalt der Vereinbarung bleibt geheim.
In einer Rede vor der International Association of Scientologists [Internationale Vereinigung der Scientologen], erklärte Miscavige einen Sieg über Regierungsbeamte, die Presse und andere, die, wie er sagten, versucht hatten, McPhersons Tod zu benutzen, um die Church zu Fall zu bringen.
Er sagte, dass die Wurzel des Angriffs von der deutschen Regierung, die Scientology ablehnte, bis zur Polizei von Clearwater reichten, die die Church zwei Jahrzehnte lang untersuchte.
"Sie suchten nach allem, um uns zu kriegen", sagte er der Menge. "Wir wussten immer, dass wir gewinnen würden."
Mit einem Zitat von Hubbard zählte er die Eigenschaften auf, mit denen Scientology immer einen guten Stand haben würde. "Konstante Wachsamkeit, konstante Bereitschaft, sich zu wehren."
Gewinnen und doch Verlieren
Obwohl Scientology sich auf dem rechtlichen Parkett durchsetzte, bedeutete der Fall McPherson einen Rückschlag für langanhaltende Bemühungen der Church ein gutartiges, Mainstreamimage zu pflegen.
Enige der Einzelheiten, die ans Licht kamen: In McPhersons letzten fünf Jahren gab sie mindestens 176.000 Dollar für Scientology-Dienstleistungen aus und hatte 5.733 Dollar auf dem bei der Church verwalteten Konto. Sie starb mit 11 Dollar auf ihrem Sparbuch.
Der Fall brachte einen neuen Schub an Engagement rund um Scientology und seine Praktiken und führte zu Pro- und Antiscientology-Demonstrationen auf den Straßen von Clearwater nach Jahren relativer Ruhe.
Manche Leute zahlten einen Preis.
Minkoff, der scientologische Arzt, der den Tod von McPherson festgestellt hatte, wurde vom Staat Florida disziplinarisch bestraft.
Kruzinski, der Supervisor, der für ihren Aufenthalt im Fort Harrison verantwortlich war, musste jahrelang in der Wäscherei der Church in Clearwater arbeiten.
Mitglieder von Scientology wurden dazu aufgerufen, tiefer in die Taschen zu greifen. Die Einrichtung der Church in Clearwater, die Flag Service Organization, nahm üblicherweise 1.5 Millionen bis 2 Millionen Dollar die Woche ein, sagten Rathbun und andere, und zeichnen damit ein nie zuvor enthülltes Bild von Scientologys Einkünften.
Miscavige entschied, dass die exorbitant hohen Gerichtskosten des Falls McPherson von den Einkünften in Flag bezahlt werden sollten, sagte Rathbun, deswegen drängten Registrare der Church Mitglieder dazu, mehr Auditing zu machen und andere Angebote zu nutzen.
"Es ging darum 'Legt einen Zahn zu, holt Leute rein' ", sagte er. "Zu dieser Zeit brachten sie eine Menge Geld."
Eine weitere Gruppe würde auf andere Weise bezahlen. Rathbun und anderen hochrangigen Aussteigern zufolge wurde Miscavige immer gewalttätiger und instabiler, je länger der McPherson Fall seine Auswirkungen zeigte.
Rathbun sagte: "Von 2000 an unter David Miscavige zu arbeiten bedeutete eine fortwährend sich verschlechternde Situation."
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